„E“ wie „Ecke“, „g“ wie „gucken“

Einhundert Jahre da

Ein Spieler bin ich eigentlich nicht, kann mich auch nicht daran erinnern, wann ich zuletzt an einer Art Gewinnspiel teilgenommen habe. Was mich dann wohl geritten hat, dem Aufruf des WDR3 via Twitter zu folgen?

Als Dortmunder nahm ich den Karnevalstrubel zum Anlass, mich dazu in Tweetform zu äußern. Meinem Zweijährigen wurde das „Kölle alaaf“ im Kindergarten anscheinend indoktriniert, was ihn schon vor dem Klingeln des Weckers oft selbst um wertvollen Schlaf brachte, wenn er sich damit in den Tag sang. Naja, er macht es auch jetzt noch gern häufiger zu jeder Tageszeit.

Der Tweet zum Gewinn. #dada #dadadata
Der Tweet zum Gewinn. #dada #dadadata

Der Tweet oben, der dank des Einsatzes von Emoticons angereichert wird, hat mir letzten Endes eine Kuratoren-Führung zur Ausstellung „Genese Dada“ im Arp Museum | Bahnhof Rolandseck beschert. Nach der Narrerei nun also etwas mehr hin zum Sinn.

Rolandseck: Ein nettes Fleckchen Erde

Den Rhein sichtbar vor dem Eingangsbereich, Blick auf das Siebengebirge. Eine Autofähre, die Bad Honnef auf der anderen Seite ansteuert. Eingerahmt in der Rheinschneise liegt der alte Bahnhof Rolandseck da. Ich muss früher schon unzählige Male an ihm vorbeigefahren sein, dieses Mal habe ich ihn dann bewusst in seiner Pracht wahrgenommen.

Die Anreise mit der Bahn von Köln wäre eine unbeschwerliche gewesen, doch mit kleinem Kind ist einiges an Utensilien zu transportieren und zu bedenken. Die Teilnahme an der Kuratorenführung war mit Kinderwagen möglich, anfangs zeigte sich Sohnemann auch von den Ausstellungstücken im Eingangsbereich beeindruckt. Diese waren von Stipendiatinnen und Stipendiaten des Künstlerhauses Schloss Balmoral angefertigt worden. „Seepferdchen und Flugfische“ hielten den Ohs und Ahs des Kleinen stand. Diese ließen schnell die zuvor bestaunten Schiffe auf dem Rhein in Vergessenheit geraten.

Von der Bahnhofsebene ins darüberliegende Richard Meier Gebäude zu kommen, war ein weiteres kindgerechtes Abenteurer. Das Museum ist barrierefrei, sowohl mit Rollstuhl als auch mit Kinderwagen kommt man auf die Ausstellungsebenen. Beim ersten Fahrstuhl, den wir nutzten, musste das Museumspersonal zur Nutzung herangezogen werden.

Bevor man sich in ein architektonisch bewunderswertes Schachtgefüge begibt, um mit einem weiteren Lift in den Neubau von 2005 zu gelangen, durchquert man einen Tunnel. Dieser ist mit einer Lichtinstallation (Barbara Trautmann | Kaa, die Schlange) bestückt, die hypnotisch den Eindruck verstärkt, in die nachfolgenden Gegebenheiten hineinkatapultiert zu werden. Auch hier waren staunende Kinderaugen mit einem breiten Grinsen zu vermerken, dass sich noch über die komplette Fahrt mit dem Fahrstuhl hinwegzog, der ein weiteres bauliches Highlight darstellt.

Tipp: Hin- oder Rückweg nutzen, um die Treppe zu nehmen!

Barbara Trautmann / Arp Museum | Genese Dada
Barbara Trautmann / Arp Museum | Genese Dada

Es gibt Dada, seit Dada da war

Kunst war eines meiner Abiturfächer vor ein gefühlten Ewigkeit. Bio und Französisch, sowie Erdkunde gehörten auch dazu. Mein Interesse an Kunst oder auch Kunsthandwerk ist seit meiner Ausbildung vorhanden. Irgendwie erdet mich der Zugang zu Kunst auf eine bestimmt Art und Weise immer wieder, auch wenn einen manche Debatten und kritische Ansätze oft ausbremsen oder in den gefühlten, weiterführenden Irrsinn treiben können.

Dadaismus ist mir in Erinnerung geblieben, weil ich die Collage-Technik der Kunstbewegung sehr zu schätzen weiß. Die aus vielen Collagen zu entnehmenden Bezüge zu Gesellschaft, Politik, Geschichte – und den vielleicht nur entsprechendem Künstler- oder Protagonistenhirn innewohnenden Gedanken – lassen eine Vielfalt an Deutungsgebenen zu, denen ich mich gern hingebe.

Aus der Materie selbst bin ich seit langem raus. Erst aus Neugier und Erwartungshaltung auf das kommende Event der Kuratorenführung heraus, stöberte ich ein wenig, um zu schauen, was denn Dada für Auswüchse in Japan hatte, bzw. ob überhaupt. Es gibt definitiv Gründe und Lesestoff, sich auch damit weiterführend zu beschäftigen, was im Kunstunterricht damals auch nicht möglich war. Hier stand meist die Berliner Szene im Vordergrund. Mal schauen, ob ich dafür irgendwie und irgendwann Zeit und Zugang finde. Vielleicht hat auch jemand Tipps für mich?

Die IST-Analyse des Jetzt schreit auf jeden Fall weltweit danach, weiterhin in jedwede Art der Collage verpackt, präsentiert zu werden.

Zifat:

Eine Führung mit einem zweijährigen Kind ist nur bedingt machbar. Das wissen wir nun. Leider musste sich meine Partnerin nach kurzer Zeit von der Gruppe lösen, da die Geduld des Kleinen allmählich wich. Erst die Schiffe draußen ließen wieder Ruhe einkehren, dann direkt beim Anfahren in bunte Träume fallen. Die Führung selbst war eine rundum gelungene, die von einer begeisternden und begeisterten A. von Asten durchgeführt wurde. Sie erwähnte einige Male die Skepsis und das Unverständnis einiger Besucher gegenüber den Graphiken zur Veranschaulichung von Zusammenhängen, die die Stationen der Ausstellung „Genese Dada“ beigefügt wurden: Mir gefallen diese, auch wenn ich nicht jeder Beachtung geschenkt habe.

Meine Stellungnahme: Die, die ich wahrnahm und länger anschaute, gefielen mir persönlich sehr.

Genese Dada
Genese Dada

 

Indes Weiterführendesです。

Dadadata (In Kooperation mit arte)

 

 

 

 

 

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2 Gedanken zu „„E“ wie „Ecke“, „g“ wie „gucken“

  1. Ach klasse, das hatte ich gar nicht mitgekriegt, dass du gewonnen hast. Herzlichen Glückwunsch noch nachträglich 🙂
    Ich glaube, ich muss auch bald hin und mir die Ausstellung anschauen. Die Schaubilder finde ich toll! Werde explizit drauf achten.

    Als ich übrigens letztens mal dachte, ich könnte mit meiner knapp dreijährigen Nichte einen kleinen Spaziergang durchs Museum machen, bekam ich hinterher recht nüchtern von ihr serviert: das war anstrengend!!! Und ich schwöre, dass ich mich jeglicher museumspädagogischer Einflußnahme enthalten habe. Aber natürlich soll ein Museum auch kein Kinderspielplatz sein. Ich finde es aber trotzdem gut, die Zwerge mal dran schnuppern zu lassen. Wenn es einfach dazu gehört, auch mal hin und wieder bei solchen Kulturveranstaltungen dabei zu sein, wird das für das spätere Besucherverhalten gute Dienste leisten 🙂

    Herzliche Grüße von Anke

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    1. Liebe Anke,

      Dankeschön für das Feedback hier!

      Bin schon gespannt, ob ich in Zukunft öfter mit Kind mal in einer Ausstellung Zeit finden und Raum haben werde. Mal schauen, was sich da so an Angeboten zeigen wird. Malen ist noch nicht so angesagt, eher Klettern und Toben. Vielleicht werden es Giraffen sein, die dann irgendwie gestaltet werden. Auf die fährt der kleine Mann ab.

      Freue mich auf ein Wiedersehen!

      In diesem Sinne

      Sven

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