„T“ wie „Ticketing“, „v“ wie „verwursten“

Es bahnt sich an, es wird geplant

Vorhin stolperte ich in Tweetdeck über eine Nachricht mit verlinkter Powerpoint-Präsentation aus dem Bereich Eventmarketing und Ticketing. Das Thema nehme ich am Rande hin- und wieder wahr, da ich selbst als Student einige Jahre in diesem Bereich bei Düsseldorf Marketing und Tourismus (2003-2006) gejobbt habe. Ticket online und CTS Eventim etc. waren die Software-Systeme, mit denen wir dort arbeiteten. Kundensupport rund um das Thema Veranstaltungen (Konzerte, Sport, Festivals usw.) deckte man in einem Callcenter (inbound) ab, in dem ich tätig war. Oft waren wir auch bei Veranstaltung vor Ort, um den Kassenbereich zu machen oder zu unterstützen.

Über die Jahre hinweg nahm ich vor dem Job schon die Veränderungen im Ticketing wahr. Mich wurmte bereits damals, dass bei all den Möglichkeiten und Vermarktungsstrategien etwas auf der Strecke blieb, was für mich persönlich als Gast einer Veranstaltung sehr lange zum Gesamtpaket dazu gehörte. Einen Abend auf einem Konzert eines bevorzugten Künstlers oder einer Band zu verbringen, im Vorfeld für dieses Event Geld zu sparen, um dann für den Einkauf an einer Vorverkaufsstelle gewappnet zu sein. – All das führte nach dem Erwerb des Tickets in Verbindung mit dem Tonträger jedweder Art zu einer Art weiterführendem, privatem Event mit entsprechendem Ambiente. Der Spannungsbogen baute sich beim Ansehen des Tickets bis zum Tag X der Veranstaltung auf, man hörte und spürte das Flirren des Bogens noch in der Warteschlange am Veranstaltungsort.

Kauf mich! Die Toten Hosen_1994

Was die immer wieder aufglühende Asche des Storytelling und die darüber wabernde Wolke des Content anbelangt, frage ich mich, ob es sich bezüglich dieses „Produkts mit angebundener Serviceleistung“ schlichtweg um eine Verlagerung für eben dieses | diesen ins Virtuelle handelt oder beides im Laufe der Digitalisierung einfach abhanden gekommen ist, was da an Potential weiterhin im Medium Papier steckt. Pro weiterer Absatz und erweiterter Möglichkeit der Kundenbindung für alle Teile der Branche, angefangen vom Künstler zur Agentur und Netzwerk um Veranstaltungsorte selbst, meine ich hier. Mir fehlen durch das Wegfallen der Veranstaltungsbezogenen Tickets wichtige Teile der Geschichte um den Künstler, das Album, die Tour oder den Ort herum. Für mich sind dies elementare Bestandteile des Eventpakets, machen mit das Besondere aus.

Beim Aufräumen kam mir ein alter Ordner in die Hände, in dem neben Souvenirs in Papierform von Reisen auch alte Eintrittskarten auftauchten. Diese wollte ich vor einer gefühlten Ewigkeit entsorgt haben, bzw. diese vorab einscannen, da ich mich nicht endgültig trennen wollte. Der Vorgang nimmt Zeit in Anspruch, daher exemplarisch nur Fotos an dieser Stelle.

Bis zum bitteren Ende

All das endete irgendwie in Beliebigkeit und versandete in Uniformität. Wie es dann weiterging und was daraus bis heute geworden ist, kann man sehr gut aus der eingangs erwähnten Powerpointe hier ablesen. Hier ist ein kurzer Abriss der Geschichte des Ticketing veranschaulicht, danach steht allein die Optimierung des Verkaufs u.a. durch Social Media im Fokus. Dass ich Befürworter digitaler Lösungsansätze bin, tröstet mich nicht darüber hinweg, auch Schönes und vermeintliches Sinnvolles im nicht-digitalen Raum zu vermissen. Es wird für mich nie denselben Reiz auslösen, Tickets online zu erwerben, um damit lediglich das Recht zur Teilnahme an einer Veranstaltung zu erhalten.

Mittlerweile hat Vieles den faden Geschmack eines nicht definierbaren Bieres aus einem Plastikbecher, dem zudem die Kohlensäure fehlt. Tickets, ich nenne sie liebevoll gern noch Karten, haben immer mehr etwas von im Hemd vergessenen Verzehrmarken eines Schützen- oder Straßenfestes, die man mit einem Kopfschütteln und entsprechendem Kopfweh am Tag danach findet.

Vermarktung, Auslastung, Kostendeckung, Gewinnmaximierung und was nicht sonst alles zur Wirtschaftlichkeit eines Events zählt. Was man zum Eintreten als Gast – ich benutze mit Absicht nicht das Wort Kunde – erhält, sieht abgerundet recht eintönig aus. Dabei ist dies ein elementarer Teil des Gesamtpakets, an das Erwartungen und Träume eines jeden Gastes gekoppelt sind. Da helfen auch keine Umschläge mit Logo der jeweiligen Verkaufsstelle oder Agentur zum Verschenken.

Nennt mich nostalgisch, doch ich wünsche dem Ticketing ein graphisches und haptisches Revival der“old school“ Eintrittskarten. Da fehlt bisher die Hartnäckigkeit, die latent aufmüpfige Art, die Langspielplatten bis heute an den Tag legen.

Ich denke, dass es auch viele Künstler gibt, die ebenso denken. Wenn jemand schöne, ältere oder aktuelle Beispiele von Eintrittskarten hat, der kann diese gern im Kommentarfeld dieses Beitrags zu entsprechender Präsenz verlinken. Unter dem Hashtag #whenticketswherearty über diverse Kanäle hinweg posten wäre zudem fein. Wenn ihr Geschichten zu entsprechenden Events und Karten habt, umso besser. Auch diese mit Link zum Post in den Kommentarbereich, bitte!

Aus Japan kenne ich den Verkauf von Tickets zu Veranstaltungen jedweder Art übrigens in Convenience-Stores. Hier ein interessanter und guter Beitrag dazu.

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s